Evangelische Schulstiftung Stuttgart
Highlights
- 1856: Erste eigene Schule der Evangelischen Schulstiftung in Tübinger Straße 5 errichtet.
- 1873: Neubau der Paulinenstraße 32 als Mädchenoberschule an Stelle des alten Folterturms.
- 1937: Schulstiftung als juristische Person nach NS-Druck neu gegründet nach Zwangsübergabe der Oberschulen.
Tipps
- Der Besuch der Stiftung ermöglicht die Auseinandersetzung mit der historischen Entwicklung evangelischer Schulen im 19. und 20. Jahrhundert.
- Architektonische Besonderheiten wie der ehemalige Standort des Folterturms werden im Gebäudekomplex an der Stadtmauer dokumentiert.
Eigenschaften
Evangelische Schulstiftung Stuttgart: Sakrale Ausflugsziele
Die Evangelische Schulstiftung Stuttgart ist eine bedeutende Institution der evangelischen Bildungstradition in der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Ihre Wurzeln reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück, als sie 1856 ein eigenes Haus in der Tübinger Straße bezog. Die Stiftung war von Anfang an eng mit der evangelischen Kirche verbunden und trug maßgeblich zur Förderung religiös geprägter Bildung bei – ein Erbe, das bis heute nachwirkt.
Ein zentraler Meilenstein war die Einweihung des Schulgebäudes in der Paulinenstraße 32 im Jahr 1873. An dieser Stelle, direkt an der historischen Stadtmauer, befand sich zuvor der alte Folterturm – ein Ort, der heute an die wechselvolle Geschichte Stuttgarts erinnert. Die Stiftung unterhielt hier Mädchenoberschulen, darunter die renommierten Mörike- und Heidehof-Oberschulen, die als Pionierinnen der Mädchenbildung galten. Diese Einrichtungen genossen hohes Ansehen und prägten über Generationen den Bildungsweg vieler Stuttgarterinnen.
Die NS-Zeit brachte jedoch einen tiefen Einschnitt: 1937 wurden die Schulen auf Druck des nationalsozialistischen Kultusministers geschlossen und der Stadt als öffentlich-rechtlicher Schulträger übergeben. Dennoch blieb die evangelische Bildungsidee lebendig. Im selben Jahr wurde die Stiftung als „Schulstiftung Evangelisches Töchterinstitut“ neu gegründet – diesmal als juristische Person des Privatrechts. Diese Neuausrichtung sicherte die Kontinuität evangelischer Bildungsideale, auch unter den veränderten politischen Bedingungen.
Heute steht die Stiftung für ein Erbe, das Tradition und moderne Bildung verbindet. Als Teil des evangelischen Schulsystems in Stuttgart trägt sie dazu bei, religiöse Werte mit zeitgemäßem Unterricht zu vereinen. Die Paulinenstraße 32 bleibt dabei ein Symbol für den historischen Anspruch der Stiftung: Bildung als Dienst an der Gemeinschaft – geprägt von Verantwortung, Toleranz und dem Streben nach Exzellenz.
Für Besucher bietet der Standort nicht nur einen Einblick in die pädagogische Geschichte Stuttgarts, sondern auch in die Architektur und den kulturellen Kontext einer Stadt, die sich seit dem Mittelalter an der Schnittstelle von Macht und Bildung entfaltete. Die Nähe zur historischen Stadtmauer unterstreicht zudem den Bezug zu Stuttgarts mittelalterlichem Erbe – ein einzigartiges Kapitel evangelischer Bildungsgeschichte mitten im Herzen der Landeshauptstadt.