Kirche/Kloster

Pilgerkirche Ev.-luth. St. Marien Grasdorf

Kirchstraße 6, 30539 Laatzen

Highlights

  • Romanische Dorfkirche aus dem 12. Jh., barock umgestaltet 1736 mit Kanzelaltar von Hofbildhauer Ackermann.
  • 1943 durch Bomben zerstört, ab 1954 im romanischen Stil wiederaufgebaut mit Spendenorgel (1957/58).
  • Barocke Sakristei (Nordapsis) und Altar aus Bombentrümmern; inkl. rollstuhlgerechter Zugänge und LGBTQ+-freundlich.

Tipps

  • Der barocke Kanzelaltar aus dem 18. Jahrhundert zeigt handwerkliche Meisterleistungen des hannoverschen Hofbildhauers und ist zentraler Bestandteil der Innenausstattung.
  • Ein rollstuhlgerechter Zugang sowie barrierefreie Sitzplätze ermöglichen einen ungehinderten Besuch für alle Gäste.
  • Die Sakristei mit halbrunder Form bietet zusätzliche Räumlichkeiten und dient als Seitenapsis an der Nordseite der Kirche.

Eigenschaften

Entspannt Kulturell Ganzjährig

Pilgerkirche St. Marien Grasdorf – Sakrale Kultur in Laatzen

Die Pilgerkirche Evangelisch-lutherische St. Marien Grasdorf in Laatzen ist ein historisch bedeutsames Sakralbauwerk mit einer faszinierenden Entwicklung, das tief in der Ortsgeschichte verwurzelt ist. Ursprünglich im 12. Jahrhundert als romanische Marienkapelle errichtet, entstand sie auf Anordnung der Adelsfamilie von Alten, die mit der Stiftung einer Kirche in „Gravestorpe“ beauftragt wurde. Der ursprüngliche Bau war bereits durch ein gewölbtes Kirchenschiff ersetzt worden, bevor im 15. Jahrhundert weitere romanische Elemente wie ein Wehrturm integriert wurden.

Im Laufe der Jahrhunderte prägten verschiedene Baustile das Erscheinungsbild der Kirche. Um 1500 erfolgte eine Umgestaltung, die an die romanische Substanz anknüpfte, während im 18. Jahrhundert unter Aufsicht des königlichen Baumeisters Leiseberg ein barockes Kirchenschiff mit einem prächtigen Kanzelaltar des hannoverschen Hofbildhauers Ackermann entstand. Der Innenraum wurde in Weiß und Gold gehalten und spiegelt den zeitgenössischen Geschmack wider. Doch der Zweite Weltkrieg brachte eine tragische Zäsur: Ein Bombenangriff im September 1943 zerstörte die Kirche weitgehend, sodass nur die Ruine blieb.

Nach dem Krieg wurde die Kirche unter Berücksichtigung romanischer Stilelemente wiederaufgebaut. Der Architekt Ernst Zinsser gestaltete den Neubau mit einer klaren, aber anmutenden Formensprache, die an die historische Substanz anknüpft. Besonders bemerkenswert ist die halbrunde Sakristei, die erst im Wiederaufbau als Seitenapsis an die Nordseite angefügt wurde. Als Material für den neuen Altar diente Sandstein aus den Bombentrümmern der Grasdorfer Höfe – ein symbolträchtiger Akt der Wiedergeburt. Ein weiteres Kunstwerk ist das Fenster hinter dem Altar, das Werner Brenneisen 1954 schuf und die Gabe des Heiligen Geistes zu Pfingsten darstellt.

Die Kirche ist nicht nur ein architektonisches Juwel, sondern auch ein Ort der Gemeinschaft und des kulturellen Engagements. Sie wird von einer von Frauen geführten Gemeinde geprägt, die sich für Offenheit und Inklusion einsetzt. Mit rollstuhlgerechten Zugängen, einem barrierefreien Parkplatz und einem sicheren Umfeld für alle Besucherinnen und Besucher setzt sie Maßstäbe für eine weltoffene Kirchenpraxis. Zudem bietet die Kirche kostenlose Parkmöglichkeiten und eine moderne Orgel, die 1957/58 von der Fa. (Name nicht näher belegt) gestiftet wurde. Als Pilgerort und kulturelles Denkmal lädt sie Einheimische und Gäste gleichermaßen ein, Geschichte zu erleben und Gemeinschaft zu leben.

Wer sich für sakrale Baukunst, regionale Geschichte oder eine moderne Kirchenpraxis interessiert, findet in der St. Marien Grasdorf einen Ort der Besinnung und des Austauschs. Die Kirche steht für die Verbindung von Tradition und Gegenwart – ein lebendiges Stück Laatzens Geschichte, das zum Verweilen und Staunen einlädt.

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