Kirche/Kloster

Location of the medieval synagogue in Passau

Zinngießergasse, 94099 Passau

Highlights

  • Die mittelalterliche Synagoge Passaus befand sich im ‚Judenstädtl‘ am Ilzufer in der Ilzstadt, nahe dem Oberhaus, seit dem 12. Jahrhundert.
  • Teile der Synagoge sind heute in der Salvatorkirche erhalten: Gewölbehallen im Erdgeschoss stammen aus dem jüdischen Gotteshaus vor 1360.

Eigenschaften

Entspannt Kulturell Ganzjährig

Medieval Synagogue Passau – Kultur-Ausflug

Die Standort der mittelalterlichen Synagoge in Passau verbindet Geschichte, Sakralbau und jüdisches Erbe zu einem einzigartigen Ort in der Stadt. Im Herzen der Ilzstadt, einem historischen Viertel am Ufer der Ilz, lag einst das „Judenstädtl“ – ein kleines, von Juden bewohntes Viertel, das bereits im 12. Jahrhundert entstanden sein soll. Überlieferungen besagen, dass hier um 1100 vertriebene Juden aus Regensburg Zuflucht fanden. Die jüdische Gemeinde war im Mittelalter ein wichtiger Teil des wirtschaftlichen Lebens, insbesondere durch Geld- und Pfandverleih, während der Warenhandel vor allem in christlichen Händen lag.

Ein zentraler Zeuge dieser Zeit ist die Salvatorkirche, die auf den Fundamenten der mittelalterlichen Synagoge errichtet wurde. Die gewölbte Halle im Erdgeschoss der Kirche bewahrt noch heute Reste der ursprünglichen Synagoge – ein seltener Überblick über die Architektur und den sakralen Charakter des jüdischen Gotteshauses. Die Kirche selbst diente über Jahrhunderte als Symbol des kirchlichen Antijudaismus, etwa durch Tafelbildreihen, die jahrhundertelang die Verleumdung jüdischer „Hostienfrevel“ verbreiteten. Diese Darstellungen, die bis ins 20. Jahrhundert unkritisch tradiert wurden, spiegeln die dunkle Geschichte der Judenverfolgung wider.

Die jüdische Geschichte Passaus war von Unterbrechungen geprägt. Nach der Ermordung der Juden in Deggendorf 1338 – einem Verbrechen, das auf der falschen Legende einer „geschändeten Hostie“ beruhte – gab es in Passau über Jahrhunderte keine dauerhafte jüdische Niederlassung. Erst im 19. Jahrhundert zogen wieder vereinzelte jüdische Familien in die Stadt, doch eine eigenständige Gemeinde entstand nicht. Die wenigen jüdischen Einwohner gehörten seit 1903 zur Gemeinde in Straubing. Dennoch bleibt die mittelalterliche Synagoge als archäologisches Zeugnis ein wichtiger Ort der Erinnerung – nicht nur an die vergessenen Wurzeln des jüdischen Lebens in Passau, sondern auch an die komplexe Wechselwirkung zwischen christlicher und jüdischer Geschichte in der Region.

Heute bietet der Standort der ehemaligen Synagoge einen Einblick in die vergessenen Spuren des jüdischen Erbes in Passau. Die Integration der Überreste in die Salvatorkirche unterstreicht die Ambivalenz zwischen Zerstörung und Bewahrung. Während die Kirche selbst lange Zeit als Instrument der Judenfeindschaft diente, zeugen die erhaltenen Mauern von einer Zeit, in der Juden ein fester Teil des städtischen Lebens waren. Der Ort lädt dazu ein, die mittelalterliche Geschichte neu zu entdecken – zwischen Sakralbau, Antijudaismus und den Spuren einer fast vergessenen Gemeinschaft.

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