Lübecker Dielenhaus
Highlights
- Das Lübecker Dielenhaus (Fleischhauerstraße 79) stammt aus dem 13. Jh., der Kern aus dem 15. Jh. und wurde 2006–2010 denkmalgerecht saniert.
- Historische Holzfenster wurden restauriert, kombiniert mit modernen Isolierverglasungen – Wohnungen seit 2009 nach neuestem Standard ausgebaut.
- Erste urkundliche Erwähnung 1293; 1999 erzwang Denkmalpflege eine Dachreparatur, um den Verfall zu stoppen.
Tipps
- Das Lübecker Dielenhaus zeigt originale Bausubstanz aus dem 15. Jahrhundert mit dokumentierten historischen Veränderungen und Sanierungsphasen.
- Die Ausstellung kombiniert Fotos, Dokumente und Zeichnungen zur Baugeschichte sowie zur Rettung des Denkmals durch denkmalgerechte Maßnahmen.
- Die Wohnungen im Dielenhaus verfügen über originale Holzfenster mit moderner Isolierverglasung, die den historischen Charakter bewahren.
Eigenschaften
Lübecker Dielenhaus – Kulturdenkmal in Lübecks Altstadt
Das Lübecker Dielenhaus in der Lübecker Altstadt zählt zu den bedeutendsten Zeugnissen mittelalterlicher Backsteingotik in der Hansestadt. Das Gebäude in der Fleischhauerstraße entstand im späten 13. Jahrhundert, wobei der überwiegende Teil der heute sichtbaren Bausubstanz im 15. Jahrhundert errichtet wurde. Besonders charakteristisch ist sein typisch lübeckisches Dielenhaus-Prinzip: Ein zentraler, offener Wohnraum – die Diele – diente als Herzstück des Hauses, von dem aus sich die Wohnbereiche erschlossen. Die historische Substanz wurde zwischen 2006 und 2010 umfassend denkmalgerecht saniert, wobei die originale Struktur bewahrt und modernste Standards integriert wurden.
Die Sanierung machte das Dielenhaus nicht nur für Besucher zugänglich, sondern bewahrte auch seine einzigartige Bauweise. Die Diele selbst ist noch heute als offener Raum erhalten, von dem aus eine historische Treppe zu den Wohnetagen führt. Die Fenster bestehen aus original restaurierten Holzverglasungen, die innen durch isolierende Metallverglaseungen ergänzt wurden. Obwohl die Wohnungen nach der Fertigstellung 2009 dem modernsten Komfort entsprechen, bleibt die historische Substanz spürbar – etwa durch die erhaltenen Backsteinwände und die typische Raumaufteilung. Allerdings sind die Räume nicht behindertengerecht gestaltet.
Die Geschichte des Dielenhauses reicht bis ins Jahr 1293 zurück, als Hinrich Hetfeld als erster bekannter Besitzer im Quellenmaterial erwähnt wird. Über die Jahrhunderte hinweg erlebte das Haus verschiedene Nutzungen, von Wohnraum bis zu Gewerbeeinheiten. Besonders prägend war der Zustand des Gebäudes im 20. Jahrhundert, als es durch Vernachlässigung bedroht war. Erst durch den Einsatz der Denkmalpflege und eine erzwungene Dachreparatur 1999 wurde der Rettungsprozess eingeleitet, der schließlich zur heutigen Wiederherstellung führte. Das Dielenhaus steht damit exemplarisch für den Erhalt lübeckischer Bausubstanz zwischen Tradition und Moderne.
Das Dielenhaus ist nicht nur ein architektonisches Juwel, sondern auch ein Dokument der lübeckischen Geschichte. Begleitend zur Sanierung erschien 2014 das Buch *„Das Lübecker Dielenhaus“* von Ulrich Büning, das mit über 700 Abbildungen die Entwicklung des Gebäudes – von seiner Entstehung über den Verfall bis zur Rettung – detailliert aufzeigt. Die Kombination aus originaler Backsteingotik, historischer Wohnkultur und moderner Nutzung macht das Dielenhaus zu einem faszinierenden Beispiel für den Erhalt kulturellen Erbes in der Altstadt. Besonders die offene Diele als zentraler Raum veranschaulicht die Lebensweise vergangener Generationen und bleibt so ein lebendiges Stück Lübecker Geschichte.