Theater

ExRotaprint Projektraum "Glaskiste"

Gottschedstraße 4/Aufgang 3, 13357 Berlin

Highlights

  • 1956 erbautes Baudenkmal von Architekt Klaus Kirsten: ExRotaprint-Projektraum mit großzügigen Nord-/Südfenstern und Pultdach.
  • Künstlerpaar Daniela Brahm & Les Schliesser initiierte 2000 Bürgerprojekt für soziale Stadtentwicklung und Denkmalschutz in Berlin.

Tipps

  • Der barrierefreie Zugang ermöglicht Besuchern mit eingeschränkter Mobilität eine ungehinderte Teilnahme an Ausstellungen und Veranstaltungen im Projektraum.

Eigenschaften

Bei Regen geeignet Kulturell Ganzjährig

Kultur & Theater: Glaskiste Berlin

Der ExRotaprint Projektraum „Glaskiste“ in Berlin ist ein lebendiges Beispiel für die gelungene Transformation eines historischen Baudenkmals in einen Ort der Kultur, des Austauschs und der urbanen Nachnutzung. Das 1956 von Architekt Klaus Kirsten errichtete ehemalige Technische Büro der Firma Rotaprint besticht durch seine großzügigen, nach Norden und Süden ausgerichteten Fensterflächen unter einem markanten Pultdach – ein architektonisches Juwel, das seit 2000 durch engagierte Mieter:innen und ein engagiertes Planungsteam der ExRotaprint gGmbH neu entdeckt und revitalisiert wird.

Im Mittelpunkt des Projekts stehen die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes sowie die Schaffung eines vielfältigen Nutzungsmixes, der Kunstproduktion, Diskursräume und soziale Initiativen vereint. Die Initiator:innen, darunter die Künstler:innen und Raumproduzent:innen Daniela Brahm und Les Schliesser, setzen sich seit Jahrzehnten für eine offene, partizipative Stadtentwicklung ein – ein Engagement, das sich in den 1990er-Jahren auch in starken Bürgerbewegungen gegen Spekulation und gentrifizierte Stadtplanung in Ost-Berlin manifestierte.

Der Projektraum fungiert als Plattform für zeitgenössische Ausstellungen, Vorträge und kollektive Debatten, die sich mit Themen wie Bodenpolitik, Denkmalschutz und alternativen Wohnmodellen auseinandersetzen. So wurde etwa im Rahmen des „Städtebaulichen Kolloquiums ‚Den Boden im Blick‘“ eine vielschichtige Perspektive auf urbane Bodenfragen entwickelt, die politische, historische und aktivistische Ansätze verbindet. Auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz würdigte das Projekt mit einer Führung und einem anschließenden Vortrag, der die Bedeutung des Gebäudes als „Denkmal für alle“ unterstrich.

Die ExRotaprint gGmbH versteht sich als Labor für nachhaltige Stadtentwicklung: Durch die Umnutzung des Bestands und die Schaffung bezahlbarer Räume für Kunst, Kultur und Gemeinschaftsprojekte wird ein Gegenentwurf zu spekulativem Stadtumbau gelebt. Das Engagement der Künstler:innen und Architekt:innen wie Atiye Bubeck, Bernhard Hummel und Oliver Clemens zeigt, wie historische Bausubstanz als Ressource für eine gerechtere Stadt genutzt werden kann – ein Ansatz, der auch international Beachtung findet, etwa im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt, das das Projekt als Vorbild für gelungene Transformationen präsentierte.

Der „Glaskiste“-Projektraum steht damit für eine Kultur des gemeinsamen Gestaltens: Hier treffen sich Künstler:innen, Aktivist:innen und Bürger:innen, um über die Zukunft der Stadt zu diskutieren – immer mit dem Blick auf den Erhalt des kulturellen Erbes und die Schaffung von Freiräumen jenseits ökonomischer Logiken. Ein Ort, der zeigt, dass Denkmalschutz und lebendige Stadtentwicklung kein Widerspruch sein müssen.

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