Gedenk- und Lernort Kalmenhof
Highlights
- Ab 1937 wurde der Kalmenhof unter Fritz Bernotat zur NS-„Euthanasie“-Stätte mit systematischen Tötungen von Menschen mit Behinderungen.
- Der Ort war 1933 erste Heilerziehungsanstalt im Bezirk Nassau, die gleichgeschaltet und in ein NS-Krankenhaus umgewandelt wurde.
- Rollstuhlgerechte Barrierefreiheit inkl. Parkplatz und WC ermöglicht Zugang zu Ausstellung und Führungen durch die Geschichte des Kalmenhofs.
Tipps
- Ein rollstuhlgerechter Parkplatz steht für Besucher am Gedenk- und Lernort Kalmenhof zur Verfügung.
- Der Zugang zum Gelände ist für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen durch barrierefreie Wege gestaltet.
- Ein rollstuhlgerechtes WC ermöglicht eine komfortable Nutzung während des Besuchs.
Eigenschaften
Gedenkort Kalmenhof Idstein – Kultur-Ausflug
Der Gedenk- und Lernort Kalmenhof in Idstein ist ein bedeutender historischer Ort, der an die düstere Vergangenheit der NS-„Euthanasie“ und die systematische Entrechtung von Menschen mit Behinderungen erinnert. Auf dem Gelände der ehemaligen Heilerziehungsanstalt Kalmenhof, die bereits 1891 gegründet wurde, vollzog sich ab den 1930er-Jahren eine radikale Umwandlung: Fortschrittliche pädagogische Ansätze der Gründergeneration wurden durch die nationalsozialistische Ideologie verdrängt. Besonders ab 1937, als der spätere Bezirksdezernent Fritz Bernotat die Leitung übernahm, wurde der Kalmenhof zu einem Zentrum der „Euthanasie“-Verbrechen. Die Anstalt wurde Teil des systematischen Vorgehens zur Tötung von Menschen mit geistigen oder körperlichen Behinderungen, darunter auch Kinder.
Die Ausstellung „Der Kalmenhof damals und heute“ bietet einen umfassenden Einblick in die komplexe Geschichte des Ortes. Sie verbindet archivierte Dokumente, historische Fotos und zeitgenössische Perspektiven, um die Entwicklung von einer reformpädagogischen Einrichtung zu einem Ort der Gewalt zu verdeutlichen. Besonders eindrücklich sind die Recherchen zur Lokalisierung der Tötungszimmer der sogenannten „Kinderfachabteilung“ sowie der vermuteten Gräberfelder auf dem Gelände. Diese Aufarbeitung ist Teil eines digitalen Projekts, das auch online zugänglich ist und die historische Aufarbeitung des Verbrechenskomplexes unterstützt.
Für Besucherinnen und Besucher steht ein vielfältiges Bildungsangebot zur Verfügung. Öffentliche Führungen führen durch die Geschichte des Kalmenhofs und thematisieren die NS-„Euthanasie“ vor Ort. Besonders interessant sind die geführten Rundgänge, die sich mit der Täterschaft und den strukturellen Mechanismen der Verbrechen auseinandersetzen. Auch Workshops richten sich an verschiedene Zielgruppen – von Schulklassen bis hin zu Fachpublikum – und ermöglichen eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema. Der Ort lädt dazu ein, sich mit der lokalen Geschichte kritisch auseinanderzusetzen und das Erbe des Kalmenhofs als Mahnmal zu begreifen.
Der Gedenk- und Lernort Kalmenhof ist barrierefrei gestaltet und bietet rollstuhlgerechte Zugänge sowie ein rollstuhlgerechtes WC. Damit wird sichergestellt, dass die Aufarbeitung der Geschichte für alle Interessierten zugänglich ist. Ob als Einzelbesucher oder in einer Gruppe: Der Ort verbindet historische Bildung mit der Verantwortung, aus der Vergangenheit zu lernen – und damit einen Beitrag zur gegenwärtigen gesellschaftlichen Debatte um Teilhabe und Menschenrechte zu leisten.