Schiefes Haus
Highlights
- Das Schiefe Haus in Idstein ist ein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus am König-Adolf-Platz.
- Es wurde 1727 für Major Johann Jacob Nicoley erbaut und später mehrfach umgebaut.
- 1925 ließ Minna Nau das Fachwerk freilegen, was das Erscheinungsbild grundlegend veränderte.
Tipps
- Das Schiefe Haus in Idstein ist ein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus mit auffälliger Schieflage und blauer Farbe, gelegen am König-Adolf-Platz direkt neben dem Rathaus.
- Das Gebäude verfügt über vier Stockwerke, zwei Zwerchgiebel und ein Mansarddach, typisch für den späten Fachwerkbau im Übergang zur Ingenieurskonstruktion.
- Besucher finden das Haus in der Rodergasse 1/3, nahe der historischen Burganlage und des Torbogengebäudes von 1497.
Eigenschaften
Über Schiefes Haus
Das Schiefe Haus in Idstein ist ein denkmalgeschütztes Fachwerkgebäude und zählt heute zu den markantesten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Es prägt den König-Adolf-Platz und befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Idsteiner Rathaus sowie zu historischen Bauten wie dem Torbogengebäude von 1497 und der steinernen Brücke aus dem 16. Jahrhundert. Die auffällige Schiefstellung des Hauses sowie seine intensive blaue Fassadenfarbe machen es zu einem besonderen optischen Highlight im Stadtbild. Viele Besucherinnen und Besucher betrachten das Gebäude mittlerweile als nahezu schon zum Wahrzeichen der Altstadt gewordenen Ortsteil.
Das Gebäude verfügt über vier Stockwerke und zwei Zwerchgiebel, zwischen denen sich ein schmales Mansarddach befindet. Die vertikal betonte Proportion des Hauses hebt es architektonisch von anderen Gebäuden der Region ab. Besondere Merkmale sind die geschnitzten, gebälktragenden Pfeiler und ein Schneckenornament an den Giebeln. Im Erdgeschoss ist noch der Sturz einer ehemaligen Durchfahrt mit Tor erkennbar, was auf die ursprüngliche Nutzung des Gebäudes hinweist. Bauhistorisch gesehen entstand das Haus in einer Zeit des Übergangs von traditioneller Handwerkskunst hin zu modernen Ingenieursmethoden, was sich beispielsweise in der Konstruktion des Daches widerspiegelt.
Die Geschichte des Schiefen Hauses reicht weit zurück. Aufgrund seiner Lage vor den ehemaligen Befestigungsanlagen der Burg Idstein war das Grundstück zunächst nicht bebaubar. Erst mit dem Wandel der Burg zum Schloss wurde eine Bebauung möglich. Ein Vorgängerbau wurde erstmals im frühen 18. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Ab 1727 erhielt der Major Johann Jacob Nicoley die Baugenehmigung und ließ das Gebäude als Wohnhaus errichten. In den folgenden Jahrzehnten wechselten mehrfach die Besitzer, darunter verschiedene Familienmitglieder Nicoleys. Im 19. Jahrhundert wurde das Anwesen aufgeteilt, was zur heute noch bestehenden doppelten Hausnummer führte. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelangte das gesamte Gebäude wieder in eine Hand.
Ein entscheidender Moment in der Geschichte des Hauses war die umfangreiche Sanierung im Jahr 1925. Dabei wurde das bis dahin verputzte Fachwerk freigelegt, was sein äußeres Erscheinungsbild grundlegend veränderte und ihm sein heutiges, charakteristisches Aussehen verlieh. In den 1990er Jahren erfolgte eine weitere umfassende Restaurierung durch die Stadt Idstein, die das Gebäude 1980 erworben hatte. Diese Arbeiten sicherten den Erhalt des Baus und unterstrichen seine kulturhistorische Bedeutung.
Ein besonderes Detail des Schiefen Hauses ist das an der Fassade angebrachte Handwerkszeichen eines Messerschmieds mit der Jahreszahl 1527. Obwohl weder der Urheber noch der genaue Zeitpunkt der Anbringung bekannt sind, wird vermutet, dass es im Zuge einer Sanierung durch den Idsteiner Bildhauer Ferdinand Abt entstand. Die Kombination aus historischer Substanz, auffallender Schiefstellung und farblich intensiver Gestaltung macht das Gebäude zu einem bemerkenswerten Zeugnis der regionalen Baukultur im Rheingau-Taunus-Kreis.