Haus Dassel
Highlights
- Das Haus Dassel in Warstein-Allagen war Ursprungsort der Deutschen Steinindustrie AG und wurde 1886 von Georg Dassel als Marmor- und Granitwerk erworben.
- 1900 ließ Commerzienrat Dassel unter Architekt Carl Wilhelm Schleicher Turm, Vestibül und Korridor im historischen Stil erweitern – heute unter Denkmalschutz.
- 1972 erwarb die Gemeinde Allagen das Anwesen; seit 1994 betreibt die Dassel Naturstein GmbH es als Kulturzentrum mit 12 Sammlungen in ehrenamtlicher Arbeit.
Tipps
- Der historische Gebäudekomplex zeigt originale Industriearchitektur aus dem 19. und 20. Jahrhundert mit markanten Produktionshallen und Maschinenanlagen aus der Steinverarbeitung.
- Die Führung bietet Einblicke in die technische Innovation der Steinbearbeitung, darunter die Umstellung auf Elektrizität im Jahr 1926 und die Nutzung lokaler Syenitbrüche.
Eigenschaften
Kulturzentrum Haus Dassel in Warstein-Allagen
Das Haus Dassel in Warstein-Allagen ist ein historisches Kulturzentrum, das tief verwurzelt in der industriellen und regionalen Geschichte des Möhnetals ist. Ursprünglich als Betrieb der Deutschen Steinindustrie AG im Odenwald entstanden, prägte es ab dem späten 19. Jahrhundert als Schleiferei und Natursteinverarbeitung die lokale Wirtschaft. Der Unternehmer Georg Dassel erwarb 1886 das Anwesen und baute es zu einem leistungsfähigen Unternehmen aus, das durch die Eröffnung der Eisenbahnstrecke Soest-Belecke-Brilon 1898 einen weiteren Aufschwung erlebte. Das Unternehmen expandierte mit eigenen Syenitbrüchen im Odenwald und Granitabbaugebieten im Sauerland, wobei die Verarbeitung und Vermarktung von hochwertigen Natursteinen zu einem Markenzeichen wurde.
Architektonisch beeindruckend ist das Gebäude durch seinen Erweiterungsbau von 1900, entworfen vom Düsseldorfer Architekten Carl Wilhelm Schleicher. Schleicher, ein Vertreter des Historismus, gestaltete unter anderem den Turm, das Vestibül und Korridore – Elemente, die bis heute das Erscheinungsbild prägen. Das Anwesen spiegelt damit den Wohlstand der Familie Dassel wider, die durch Aufträge für prächtige Villen und Landhäuser im Rheinland und Westfalen bekannt wurde. Nach dem Tod Georg Dassels 1934 übernahm die Familie weiter die Leitung, bis das Unternehmen 1994 von langjährigen Mitarbeitern übernommen und als Dassel Naturstein GmbH fortgeführt wurde.
Seit 1972 gehört das Haus Dassel der Gemeinde Allagen, die es für kulturelle Zwecke nutzt. 1984 wurde es unter Denkmalschutz gestellt, um sein historisches Erbe zu bewahren. Heute beherbergt es ein ehrenamtlich betriebenes Museum mit zwölf Sammlungen in ebenso vielen Räumen. Die Exponate erzählen von der industriellen Vergangenheit, der Rolle der Gewerken Röper und Dassel sowie der regionalen Handwerks- und Baukultur. Besonders hervorzuheben ist die Leidenschaft der Kustoden, die seit Jahrzehnten ohne finanzielle Unterstützung die Sammlung pflegen und durch geführte Rundgänge zugänglich machen.
Das Haus Dassel steht in engem Zusammenhang mit weiteren historischen Gebäuden der Region, wie dem nahegelegenen Kametz oder den wiederaufgebauten Fachwerkhäusern des ehemaligen Gutshofes der Familie Pape. Diese Nachbar-POIs ergänzen das Bild einer Landschaft, die von industriellem Erbe, handwerklichem Können und regionaler Identität geprägt ist. Für Besucher bietet das Kulturzentrum somit nicht nur einen Einblick in die Geschichte des Natursteinbaus, sondern auch in das Engagement der Allagener Gemeinschaft, das historische Schätze lebendig hält.
Ob durch die Präsentation von Werkzeugen, Bauplänen oder Alltagsgegenständen aus der Zeit der Dassel-Werke – das Haus Dassel ist ein Ort, an dem Geschichte greifbar wird. Die Kombination aus architektonischem Erbe, industrieller Pionierarbeit und ehrenamtlichem Engagement macht es zu einem einzigartigen Kulturzentrum im Sauerland, das Neugierige und Geschichtsinteressierte gleichermaßen anspricht.