Denkmal/Gedenkstätte

Alte Münz

Münzgasse 2, 97877 Wertheim

Highlights

  • Die Alte Münz in Wertheim ist das älteste Gebäude der Altstadt (erbaut 1260–1274) und diente einst als Burgmannenhaus und Münzprägestelle bis 1808.
  • Im Fachwerkhaus (1589) finden sich original erhaltene Schnitzereien, ein Handwerkerwappen und Malereien – ein Zeugnis 750 Jahre Stadtgeschichte in einem Haus.
  • Denkmalgeschütztes Ensemble mit romanischen, Renaissance- und Barock-Einflüssen: freigelegte Säulen, Pietra-Rasa-Verputz und historische Deckenmalereien.

Eigenschaften

Bildung Kulturell Ganzjährig

Alte Münz Wertheim – Kulturdenkmal erkunden

Die Alte Münz in Wertheim zählt zu den bedeutendsten historischen Bauwerken der Altstadt und ist ein lebendiges Zeugnis der Stadtgeschichte. Als ältestes erhaltenes Gebäude der Region entstand sie zwischen den Jahren 1260 und 1274 auf Initiative der Grafen von Wertheim. Ursprünglich als Burgmannenhaus konzipiert, diente sie später als Wohnsitz des Schultheißen – einer zentralen Figur, die für die Herrschaftsverwaltung und die Gelderhebung zuständig war. Die zweiteilige Bauform aus einem massiven Steinhaus und einem später angebauten Fachwerkbau spiegelt die stetige Entwicklung der Stadt wider.

Das Steinhaus, das Kernstück der Anlage, wurde im 13. Jahrhundert errichtet und zeigt bis heute eine weitgehend unveränderte Bausubstanz. Sein Nachbar, das Fachwerkhaus aus dem Jahr 1589, wurde an das Steinhaus angebaut und verleiht dem Ensemble eine besondere architektonische Vielfalt. Besonders auffällig sind die vier Fenstererker mit verzierten Schnitzereien sowie das Handwerkerwappen des damaligen Schultheißen Peter Heußlein, eines der vermögendsten Bürger Wertheims. Die Kombination aus Stein und Holz verkörpert die handwerkliche Tradition der Region und die historische Bedeutung der Münzprägestelle, die hier bis 1808 bestand.

Im Inneren der Alten Münz offenbart sich eine faszinierende Schicht der Baugeschichte – von der Romanik bis ins 20. Jahrhundert. So finden sich Fragmente einer Renaissance-Malerei, gotische Rundbogenfenster sowie Verputztechniken wie die Pietra Rasa, die auf die mittelalterliche Bauweise hinweisen. Besonders bemerkenswert ist der größte erhaltene Wandbestand in dieser Technik, der die handwerkliche Meisterschaft vergangener Epochen dokumentiert. Durch sorgfältige Sanierungsarbeiten wurden zudem originale Malereien freigelegt, darunter ein Bacchus-Kopf und Zunftzeichen, die auf die kulturelle Prägung der Stadt verweisen.

Das Projekt der Alten Münz verbindet Tradition mit moderner Nutzung: Durch die Zusammenarbeit mit der Stadt Wertheim, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und dem Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg wurde das Ensemble restauriert und als Begegnungsort für Kultur und Handwerk wiederbelebt. Besonders hervorgehoben wird die Arbeit der Kirchenmalerin Mercedes Kupczyk, die mit traditionellen Techniken historische Deckenmalereien restauriert. Die virtuelle Führung gibt Einblick in die Bauphasen und zeigt, wie sich das Gebäude über Jahrhunderte zu einem Symbol der Wertheimer Geschichte entwickelte – von der mittelalterlichen Burgmannenresidenz bis zum sozialen Ort der Gegenwart.

Als unverzichtbares Denkmal der Wertheimer Altstadt vereint die Alte Münz nicht nur architektonische Pracht, sondern auch gesellschaftliche und handwerkliche Traditionen. Sie lädt Besucher ein, die Schichten der Vergangenheit zu erkunden – von den prunkvollen Schnitzereien des 16. Jahrhunderts bis zu den freigelegten Malereien der Renaissance. Durch ihre einzigartige Baugeschichte und die engagierte Denkmalpflege bleibt sie ein lebendiges Stück Wertheimer Identität.

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