Pfarrkirche St. Johannes Baptist
Eigenschaften
Über Pfarrkirche St. Johannes Baptist
Die Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Wessobrunn zählt zu den bedeutendsten sakralen Baudenkmälern Bayerns und ist ein herausragendes Beispiel der bayerischen Rokokoarchitektur. Errichtet in den 1750er Jahren an der Stelle früherer Kirchenbauten, entstand das Gotteshaus nach Plänen der Baumeister Joseph Schmuzer und dessen Sohn Franz Xaver. Die Kirche steht in unmittelbarer Nähe zum Glocken- und Wehrturm der ehemaligen Klosterkirche, die im Zuge der Säkularisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts abgebrochen wurde. Seit jeher war St. Johannes Baptist das Gotteshaus der Pfarrei Wessobrunn und hat auch diesen historischen Bruch überdauert. Seit dem 1. September 2024 ist die Pfarrei Mitglied der Pfarreiengemeinschaft Lechrain im Bistum Augsburg.
Architektonisch folgt die Kirche dem typischen Saalkirchenmodell, das von den Wessobrunner Baumeistern geprägt wurde. Das Langhaus und der eingezogene Chor werden von Stichkappentonnen überspannt, während Doppelpilaster mit Kapitellen und Gebälk die Wände gliedern. Der halbrunde Chor schließt im Osten ab, während im Westen eine Doppelempore den Abschluss bildet, in der sich auch die Orgel befindet. Über der Westfassade erhebt sich ein Dachreiter mit charakteristischer Zwiebelhaube, die das Bild der Kirche prägend abschließt.
Der Innenraum der Kirche überzeugt durch einen kunstvollen Stuckdekor, der von Tassilo Zöpf geschaffen wurde. Rocaillekartuschen schmücken die Decken des Chors und des Langhauses und rahmen kleinere Fresken ein. Ein besonderes Highlight ist die Stuckkartusche am Chorbogen, die das Wappen des Wessobrunner Abtes Beda Schallhammer zeigt, des Auftraggebers des Bauwerks. Umgeben von zwei Engelsputten – einer mit Abtsstab, der andere mit Mitra – thront eine vergoldete Engelsbüste mit der Mitra über dem Haupt über dem Wappen.
Die Deckenfresken stammen von Johann Baptist Baader, auch bekannt als „Lechhansl“, und wurden in den Jahren um 1758/59 ausgeführt. Im Chor dominiert eine Darstellung der Johannes-Offenbarung mit einer Mondsichelmadonna im Zentrum, umgeben von Engelsvisionen und allegorischen Figuren der vier Kirchenväter. Im Langhaus zeigt ein weiteres Deckenfresko Szenen aus dem Leben des Johannes des Täufers, des Namenspatrons der Kirche, darunter seine Begegnung mit Herodes, seine Gefangenschaft und Enthauptung sowie die Taufe Jesu. Kleinere seitliche Fresken ergänzen die Darstellung durch emblematische Szenen, die Johannes als Prediger in der Wüste und als Vorläufer Christi zeigen.
Die Ausstattung der Kirche vereint verschiedene Epochen: Ein spätromanisches Viernagelkruzifix aus dem frühen 13. Jahrhundert ziert die Nordwand des Langhauses, während das vermutlich noch ältere romanische Taufbecken aus der ersten Pfarrkirche von etwa 1128 stammt. Die kunstvolle Kanzel sowie die Altäre entstanden unter der Leitung von Tassilo Zöpf. Das Altarblatt des Hochaltars wurde von Johann Baptist Baader gestaltet und zeigt die Kreuzigung Christi. Die Kirche St. Johannes Baptist ist nicht nur ein Ort der Andacht, sondern auch ein beeindruckendes Zeugnis regionaler Handwerkskunst und künstlerischer Meisterschaft des 18. Jahrhunderts.