Kanone
Highlights
- Die V3-Kanone wurde 1942 als deutsche Superkanone entwickelt, um London aus Frankreich zu beschießen.
- Das Konzept nutzte mehrere Treibladungskammern zur zusätzlichen Geschossbeschleunigung.
- Alliierte Bomben zerstörten die Kanone vor ihrer Fertigstellung.
Tipps
- Das ehemalige Kanone-Restaurant in Wetzlar ist nach dem Umbau als Haus Italia neu eröffnet und bietet ein geschmackvolles Ambiente mit abwechslungsreicher Speisenauswahl.
- Die Gerichte werden frisch zubereitet und ansprechend serviert, das Personal ist freundlich und zuvorkommend.
- Das Restaurant liegt im Siebenmühlen Tal und lädt mit einer ruhigen Atmosphäre zum Verweilen ein.
Eigenschaften
Über Kanone
Der POI „Kanone“ in Wetzlar ist eng mit der Geschichte der Waffenentwicklung im Zweiten Weltkrieg verbunden. Ursprünglich bezieht sich der Name auf die sogenannte V3-Kanone, ein deutsches Projekt zur Entwicklung einer Superkanone, die im Rahmen des sogenannten „Vergeltungswaffen“-Programms entstand. Diese Waffe, auch bekannt als „Fleißiges Lieschen“ oder „Hochdruckpumpe“, wurde konzipiert, um große Entfernungen zu überbrücken und Ziele wie London aus Frankreich heraus zu beschießen. Das innovative Prinzip der Mehrkammerkanone sah vor, durch nacheinander gezündete Treibladungen zusätzlichen Druck zu erzeugen und das Projektil auf extrem hohe Geschwindigkeiten zu bringen.
Die Entwicklung der V3-Kanone basierte auf Plänen, die den Deutschen 1940 bei der Besetzung Frankreichs in die Hände fielen. Diese wurden weiterentwickelt, unter anderem durch Ingenieure der Röchling-Werke, die auch für die Produktion von Kanonenteilen in Wetzlar verantwortlich waren. In der Heeresversuchsanstalt Hillersleben fanden erste Schießversuche statt, bevor die Tests auf das Gelände bei Misdroy verlegt wurden. Die Kanone sollte über ein Kaliber von 15 cm verfügen und Geschosse mit einer Reichweite von bis zu 160 Kilometern verschießen. Die verwendeten Projektile wurden unter anderem in Peenemünde weiterentwickelt und verfügten über spezielle Stabilisierungsmechanismen.
Obwohl die technischen Grundlagen vielversprechend erschienen, wurde das Projekt nie vollständig umgesetzt. Die Anlage in Misdroy wurde vor Fertigstellung durch alliierte Bombenangriffe zerstört. Dennoch bleibt die V3-Kanone ein bemerkenswertes Beispiel für die ambitionierten Waffentechnikprojekte des Krieges. In Wetzlar, im Herzen des damaligen Wetteraukreises, spielte die Region eine Rolle bei der Produktion und Erprobung dieser Waffe, was den historischen Wert des Ortes unterstreicht.
Heute ist der Name „Kanone“ auch mit einem gastronomischen Betrieb in Wetzlar verbunden – der Pizzeria Restaurant Kanone. Das italienisch geführte Lokal, das sich in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Industrie- und Rüstungsstandort befindet, bietet eine moderne Nutzung des historisch geprägten Namens. Gäste schätzen das vielseitige Speisenangebot sowie das freundliche Ambiente, das inzwischen etabliert ist. Die Pizzeria verbindet somit kulinarische Gegenwart mit der industriellen Vergangenheit des Standorts.
Der POI „Kanone“ steht somit exemplarisch für zwei Facetten der Geschichte Wetzlars: einerseits die technische und militärische Innovation des Nationalsozialismus, andererseits die heutige Nutzung des Ortes für Begegnung und Genuss. Beides trägt zur kulturellen Bedeutung des Standorts im hessischen Wetteraukreis bei und macht ihn zu einem interessanten Ausflugsziel für Geschichtsinteressierte und Gourmetfreunde gleichermaßen.