Galerie

Die Lichterzieher

Von Schnetzstraße 1, 56753 Mertloch

Highlights

  • Seit 2016 bietet Mertloch auf Burg Satzvey eine mittelalterliche Schnitzeljagd mit Ritterspielen und dem Thema ‚Parzival‘ (12. Jh.).
  • Kerzen aus Bienenwachs prägten im Mittelalter Luxus – 1036 kaufte Kloster Corbie 6 Zentner Wachs für Festlichkeiten.
  • Handwerker wie Schneider durften im 14. Jh. an Feiertagen nicht arbeiten, doch Wachs und Honig waren wertvolle Handelsgüter.

Tipps

  • Ein barrierefreier Zugang ermöglicht Besuchern mit eingeschränkter Mobilität den Zugang zu den Ausstellungsbereichen.
  • Die historischen Bezüge zu mittelalterlichen Handwerken wie Wachsverarbeitung und Kerzenherstellung werden in der Ausstellung thematisiert.
  • Einige Bereiche zeigen originale oder nachgebildete Werkzeuge, die im Kontext der Lichterproduktion des Mittelalters genutzt wurden.

Eigenschaften

Bei Regen geeignet Bildung Kulturell Ganzjährig

Kunst & Kultur in Mertloch: Die Lichterzieher

In Mertloch versteht sich das Kunstzentrum „Die Lichterzieher“ als lebendige Hommage an das mittelalterliche Handwerk der Kerzenzieher – ein Beruf, der einst Pracht und Licht für Adelshöfe und Klöster schuf. Inspiriert von historischen Quellen wie den opulenten Beschreibungen Wolfram von Eschenbachs im Parzival oder den gewaltigen Wachsbeständen des Klosters Corbie (1036), das auf den Märkten von Cambray ganze 6 Zentner Bienenwachs erwarb, setzt das Zentrum die Tradition des „Lichtmachens“ neu auf. Hier wird nicht nur die Kunst des Kerzenziehens bewahrt, sondern auch die Verbindung von Handwerk, Kultur und Alltagsgeschichte des Mittelalters lebendig.

Das Konzept knüpft an eine Epoche an, in der Kerzen nicht nur praktische Beleuchtung boten, sondern als Statussymbol galten. So verbrauchte die Schlosskirche zu Wittenberg im 16. Jahrhundert jährlich über 35.750 Pfund Bienenwachs – ein Beleg für den hohen Wert, den Licht in der mittelalterlichen Gesellschaft besaß. „Die Lichterzieher“ greift diese Ästhetik auf und zeigt, wie aus Honig und Wachs nicht nur Fackeln, sondern auch prunkvolle Leuchter entstanden. Durch Workshops und Ausstellungen wird das Wissen über die handwerklichen Techniken weitergegeben, die einst in Zünften wie der der Leipziger Schneider (1386) streng geregelt waren – etwa die Pflicht, an Feiertagen nicht zu arbeiten, um die Tradition zu wahren.

Als Kunstzentrum verbindet das Projekt handwerkliche Tradition mit moderner Kreativität. Besucher können nicht nur die Entstehung von Kerzen aus naher Sicht verfolgen, sondern auch ihre eigene „Lichterzieher“-Kunst entdecken. Die Ausstellungskonzeption orientiert sich an historischen Quellen, die den Reichtum und die Symbolik von Licht im Mittelalter dokumentieren – etwa die Wertangaben des 14. Jahrhunderts, wonach 3½ Pfund Honig einem Spanferkel gleichgesetzt wurden. So wird aus einer scheinbar einfachen Tätigkeit eine Reise in eine Welt, in der Licht Macht und Schönheit verkörperte.

Besonders ansprechend ist die Verbindung von Kultur und Erlebnis: Wer „Die Lichterzieher“ besucht, taucht in eine Atmosphäre ein, die zwischen Burg Satzvey und den Märkten des mittelalterlichen Europas oszilliert. Die Präsentation der Handwerkskunst steht dabei im Dienst einer größeren Frage: Wie prägte das Licht das Leben der Menschen damals – und wie kann es heute noch faszinieren? Ein Ort, an dem Geschichte greifbar wird, ohne ihre Magie zu verlieren.

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