Denkmal/Gedenkstätte

Wittenberger "Judensau"

Mittelstraße 1, 06886 Wittenberg

Tipps

  • Das Denkmal zeigt eine mittelalterliche antisemitische Skulptur an der Kirchenwand, die durch eine Zeder teilweise verdeckt ist.
  • Eine Infotafel in Sichthöhe erklärt den historischen Kontext und die kritische Auseinandersetzung mit der Darstellung.
  • Der Ort dient als Mahnung und erinnert zur Verantwortung im Umgang mit historischen Zeugnissen.

Eigenschaften

Bildung Kulturell Ganzjährig

Über Wittenberger "Judensau"

Das Wittenberger „Judensau“-Relief ist eine historische Skulptur in Wittenberg, die sich auf der Außenwand der Stadtkirche befindet. Es zeigt eine antisemitische Darstellung, wie sie im Mittelalter in christlichen Kirchen vorkam. Die Figur ist Teil der sogenannten „Schandbilder“, die jüdische Menschen in herabwürdigender Weise darstellen. Die Skulptur ist etwa vier Meter über dem Boden angebracht und durch eine vorstehende Zeder größtenteils von weitem nicht sichtbar. Vor dem Hintergrund der Stadtgeschichte und der Reformation wird das Relief heute als Zeugnis mittelalterlicher Vorurteile und Diskriminierung verstanden.

Die Darstellung gilt als bedenklich und hat in der Gegenwart zu kontroversen Diskussionen geführt. Dennoch wird das Relief nicht entfernt, sondern im Rahmen seiner historischen Funktion als Mahnmal erhalten. Eine Infotafel in Augenhöhe informiert Besucherinnen und Besucher über den historischen Kontext sowie die kritische Haltung der evangelischen Kirche gegenüber solchen Darstellungen. Die Tafel unterstreicht die Bedeutung des Denkmals als Erinnerungsort an die Geschichte von Antisemitismus in Europa.

Das Relief ist Teil eines größeren kulturellen und historischen Kontexts der Stadt Wittenberg, die als Geburtsort der Reformation eng mit Namen wie Martin Luther verbunden ist. Die Auseinandersetzung mit dem „Judensau“-Bild zeigt, wie die Stadt ihre Vergangenheit reflektiert und sich kritisch mit dem Umgang mit Minderheiten auseinandersetzt. Die Darstellung wird heute nicht als Zustimmung zu antisemitischen Inhalten verstanden, sondern als historisches Dokument, das Aufklärung und Gedenken vermitteln soll.

Der Standort in Wittenberg liegt im gleichnamigen Kreis im Bundesland Sachsen-Anhalt. Die Stadt selbst verfügt über zahlreiche weitere Kulturdenkmäler, darunter die Lutherhaus und die Melanchthonhaus, die eng mit der reformatorischen Bewegung des 16. Jahrhunderts verknüpft sind. Die Kombination aus Reformation und Aufklärung über die mittelalterlichen Vorurteile hinweg macht Wittenberg zu einem Ort intensiver historischer Auseinandersetzung. Das „Judensau“-Relief ist dabei ein zentrales, wenn auch kritisch zu sehendes Element dieser Erinnerungskultur.

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