GeoTop Glockenschächte
Highlights
- Die Glockenschächte zwischen Hilgert und Ransbach-Baumbach sind Relikte des historischen Tonbergbaus im Kannenbäckerland.
- Im Glockenschachtfeld Scheid wurden 259 Pingen kartiert, die aus ehemaligen Schachtöffnungen entstanden sind.
- Der abgebaute Ton wurde bis ins 19. Jahrhundert hauptsächlich für Steinzeugflaschen der Mineralbrunnen verwendet.
Tipps
- Beim Besuch der Glockenschächte in Ransbach-Baumbach lohnt ein Blick auf die historischen Vertiefungen im Waldboden, die aus dem Tonabbau stammen.
- Einige größere Krater sind noch gut sichtbar – ideal für interessierte Spaziergänger mit Faible für Regionalgeschichte.
- Vor Ort informieren Infotafeln über den ehemaligen Bergbau und die Nutzung des Tons für Steinzeugkrüge im 18. Jahrhundert.
Eigenschaften
Über GeoTop Glockenschächte
Der GeoTop Glockenschächte in Ransbach-Baumbach im Westerwaldkreis ist ein historischer Zeuge des regionalen Tonbergbaus. In der Landschaft zwischen Hilgert und Ransbach-Baumbach sind zahlreiche Bodensenken sichtbar, die Überreste eines einst florierenden Abbaus von Ton mittels Glockenschächten. Diese Schächte, benannt nach ihrer glockenförmigen Struktur unter der Erde, ermöglichten den Abbau des wertvollen Rohstoffs aus größeren Tiefen. Heute zeigt sich das Gelände geprägt von zahlreichen Pingen, ehemaligen Schachtöffnungen, von denen einige noch leicht erkennbar sind, während andere im Laufe der Zeit verschwunden sind.
Die Technik des Glockenschachtbaus war jahrhundertelang die einzige Möglichkeit, Ton in größeren Mengen und aus nennenswerter Tiefe zu gewinnen. Die unterirdischen Hohlräume entstanden durch das gezielte Abstechen des Tons ab den Wänden eines senkrechten Schachts. Die dabei entstehenden Kammern konnten Durchmesser von mehr als zwanzig Metern erreichen. Aufgrund der instabilen Deckschichten kam es immer wieder zu Einstürzen, was die Arbeit in den Schächten zu einer gefährlichen Tätigkeit machte. Die Arbeiter nutzten einfache Hilfsmittel wie Seilwinden, um den Ton in Eimern an die Oberfläche zu befördern.
Der abgebaute Ton wurde hauptsächlich zur Herstellung von Steinzeugkrügen verwendet, die unter anderem für die staatlichen Mineralbrunnen in Niederselters eingesetzt wurden. Der Transport erfolgte zunächst über landwirtschaftliche Wege mit Ochsen- oder Pferdekarren zu den Rheinhäfen, später über die Eisenbahn. Die Bedeutung des Tons als „weißes Gold“ spiegelt sich in der regionalen Bezeichnung „Kannenbäckerland“ wider, auch wenn der hier abgebaute Ton nicht für Kannen oder Tonpfeifen geeignet war. Erstmals verzeichnet wurde die Lage des Abbaufeldes bereits auf einer Forstkarte aus dem Jahr 1776.
Heute ist das Glockenschachtfeld Scheid ein forst- und naturgeschichtlich bedeutsamer Ort. Die ehemalige Bergbaufläche ist zu einem geschützten Biotop geworden, das das Bild des historischen Niederwaldes zeigt. Insgesamt wurden in dem Gelände 259 Pingen kartiert, die in einem Radius von bis zu 50 Metern um das Zentrum verteilt sind. Die meisten erreichen heute nur noch geringe Tiefen, dennoch verdeutlichen sie die intensive Nutzung der Fläche über Jahrhunderte. Der Standort die Spuren vergangener Arbeit und die Besonderheiten der Landschaftsgestaltung nachzuvollziehen.