Hans Scharoun
Highlights
- Hans Scharoun war ein bedeutender deutscher Architekt und Stadtbaurat in Berlin.
- Er entwarf das Haus Schminke in Löbau und prägte die Architektur der 1920er und 1930er Jahre.
- Als Stadtbaurat in Berlin plante er nach dem Krieg den Wiederaufbau mit seinem umstrittenen Kollektivplan.
Tipps
- Besucher der Philharmonie Berlin sollten die organische Architektur Scharouns durch die raumakustische Gestaltung erleben.
- Das ehemalige Wohnhaus in Siemensstadt bietet Einblicke in das private Schaffen des Architekten.
- Führungen zur Architektur Scharouns in Berlin vermitteln Hintergründe zu seinen städtebaulichen Ideen.
Eigenschaften
Über Hans Scharoun
Hans Scharoun zählt zu den bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts in Deutschland und war ein profiliertes Mitglied der organischen Architektur. In Berlin wirkte er nicht nur als Planer bedeutender Bauwerke, sondern auch als Stadtbaurat im unmittelbaren Nachkriegsberlin. Seine Bauten zeichnen sich durch eine funktionale Raumästhetik aus, die sich vom Rationalismus löst und stattdessen die individuelle Nutzung und das soziale Umfeld in den Mittelpunkt stellt. Zu seinen bekanntesten Werken gehört die Berliner Philharmonie, deren Bauzeit in den frühen 1960er Jahren lag und die bis heute als Meisterwerk der organischen Architektur gilt.
Geboren in Bremen, zeigte Scharoun bereits früh Interesse an Architektur und absolvierte erste Entwürfe während seiner Schulzeit. Er studierte an der Technischen Hochschule Charlottenburg, brach das Studium jedoch ab, um sich im Ersten Weltkrieg zu engagieren. Danach arbeitete er zunächst in Osteuropa und später in Breslau als freier Architekt, bevor er 1932 endgültig nach Berlin zog. In der Zeit des Nationalsozialismus blieb er in Deutschland und realisierte vereinzelt Bauten, darunter das markante Haus Schminke in Löbau. Während des Zweiten Weltkriegs war er mit der Beseitigung von Kriegsschäden beschäftigt und entwickelte parallel dazu auf Aquarellen visionäre Architekturprojekte.
Nach 1945 wurde Scharoun als Stadtbaurat in den Magistrat von Groß-Berlin berufen und trug maßgeblich zur städtebaulichen Neuplanung Berlins bei. Sein sogenannter Kollektivplan sah eine radikale Neugestaltung der Stadt vor, geprägt von Funktionalismus und einer strikten Trennung der Stadtgebiete. Die Vision einer „Stadtlandschaft“ sollte den sozialen Wohnungsbau fördern und den Mietskasernen der Vergangenheit entgegenwirken. Dieses Konzept stieß jedoch auf erheblichen Widerstand und wurde nie umgesetzt. Scharoun geriet in der politischen Auseinandersetzung der Nachkriegszeit zunehmend unter Druck und verlor 1946 sein Amt.
Als Hochschullehrer und später als Professor an der Akademie der Künste in Berlin beeinflusste Scharoun eine ganze Generation von Architekt:innen. Seine Baukultur verband stets den Anspruch an funktionale Räume mit einer expressiven Formensprache. Zu seinen weiteren Bauten zählen Wohnbauten in der Großsiedlung Siemensstadt sowie verschiedene Ausstellungsprojekte. In Berlin erinnern mehrere Gedenktafeln an sein Wirken, darunter eine an seinem ehemaligen Wohnhaus in Siemensstadt. Scharouns Entwürfe und Ideen prägen bis heute das Stadtbild Berlins und die deutsche Architektur im Allgemeinen.