Denkmal/Gedenkstätte

Rut Brandt

Königsweg, 14129 Berlin

Highlights

  • Rut Brandt, geborene Norwegerin, war Widerstandskämpferin gegen die deutsche Besatzung und später Ehefrau von Bundeskanzler Willy Brandt.
  • Sie arbeitete als Sekretärin an der Norwegischen Militärmission in Berlin und trug dort den Rang eines Leutnants.

Tipps

  • Besucher sollten die historische Bedeutung ihres Widerstandskampfes in Norwegen während des Zweiten Weltkriegs recherchieren.
  • Ihr Engagement für soziale und politische Themen spiegelt sich in ihrer Arbeit als Autorin und Kulturvermittlerin wider.
  • Ihr Leben verbindet norwegische und deutsche Geschichte, insbesondere durch ihre Ehe mit Willy Brandt.

Eigenschaften

Bildung Kulturell Ganzjährig

Über Rut Brandt

Rut Brandt war eine norwegisch-deutsche Autorin und Kulturvermittlerin, die eng mit der Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert verbunden ist. Als drittälteste von vier Schwestern wurde sie 1920 in Hamar, Norwegen, geboren. Nach dem frühen Tod ihres Vaters wuchs sie in bescheidenen Verhältnissen auf. Ihre Mutter, die später von Rut als Sozialistin und Christin beschrieben wurde, sorgte allein für die Familie. Bereits in jungen Jahren zeigte Rut ein starkes soziales und politisches Bewusstsein. Mit 16 Jahren trat sie einer sozialistischen Jugendgruppe bei, die sich gegen den aufkommenden Faschismus wandte – noch lange bevor Norwegen von der deutschen Besatzung betroffen war.

Nach der deutschen Besetzung ihres Heimatlandes 1940 wurde die Gruppe verboten, doch Rut und ihre Mitstreiter setzten ihren Widerstand im Untergrund fort. Sie verbreiteten illegal Informationen durch die Zeitung „Radionytt – H7“, die über Radiomeldungen der BBC berichtete. Als die Gruppe 1942 aufflog, floh Rut Hansen gemeinsam mit ihrer Schwester nach Schweden. Dort lernte sie ihren späteren Ehemann, Ole Olstadt Bergaust, wieder, den sie „Brum“ nannte, und heiratete ihn im Exil. Als seine Lungenkrankheit fortschritt und er schließlich verstarb, kam es zu einer entscheidenden Wendung in ihrem Leben: Sie begegnete erneut Willy Brandt, den sie bereits bei der Hochzeit ihres ersten Mannes kennengelernt hatte.

Die Beziehung zwischen Rut und Willy Brandt entwickelte sich, während beide noch verheiratet waren. Nach dessen Scheidung und dem Tod ihres eigenen Mannes heirateten sie 1948. Die Trauung erfolgte durch einen norwegischen Militärgeistlichen in Berlin. Aus dieser Verbindung gingen drei Söhne hervor. In ihrer Rolle als Ehefrau des späteren Bundeskanzlers wurde Rut Brandt zu einer geschätzten und charismatischen Persönlichkeit in der deutschen Politik. Ihre offene Art und ihre Fähigkeit zur Kommunikation trugen dazu bei, dass Willy Brandt viele politische Gesprächspartner auch privat näherbrachte. Dennoch blieb sie auch nach seiner Kanzlerschaft als eigenständige Persönlichkeit im gesellschaftlichen Leben aktiv.

Nachdem sich das Ehepaar in den späten 1970er Jahren entfremdet hatte, trennten sie sich schließlich. Rut Brandt veröffentlichte 1992 ihre Lebenserinnerungen unter dem Titel „Freundesland“ und lebte fortan zurückgezogen. Nach Willy Brandts Tod im Jahr 1992 nahm sie nicht am offiziellen Staatsakt teil, wurde jedoch nicht eingeladen – ein Umstand, den sie akzeptierte, wie ihr Sohn später berichtete. Dennoch besuchte sie am Tag darauf das Grab, um sich auf ihre Weise von ihm zu verabschieden. Rut Brandt verstarb 2006 in Berlin und hinterließ ein facettenreiches Erbe als Autorin, Widerstandskämpferin und Weggefährtin einer der prägendsten politischen Figuren der Bundesrepublik Deutschland.

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