Ingeborg Jacob
Eigenschaften
Über Ingeborg Jacob
Der Gedenkstein für Ingeborg Jacob erinnert in Berlin an das Schicksal einer jungen Frau, die als Zwangsarbeiterin während des Nationalsozialismus deportiert und ermordet wurde. Sie kam am 10. Mai 1925 in Berlin als Tochter eines Mannes namens Jacob und seiner Ehefrau Käthe, geborene Eppstein, zur Welt. Ihre Familie lebte später gemeinsam mit ihrem Stiefvater Siegbert Gorzelanczyk und weiteren Angehörigen in der Sentastraße. Ingeborg wuchs in prekären Verhältnissen auf, zumal ihr Stiefvater sein Geschäft aufgeben musste und fortan als Handelsvertreter arbeitete.
Die nationalsozialistischen Verfolgungen trafen die Familie schwer. Bereits 1940 verstarb der Großvater mütterlicherseits, Georg Eppstein. Im Jahr 1942 wurde ihre Großmutter deportiert – zunächst nach Theresienstadt, später nach Treblinka. Ingeborg selbst wurde Anfang der 1940er Jahre zur Zwangsarbeit herangezogen. Im Zuge der sogenannten „Fabrikaktion“ wurde sie Ende Februar 1943 an ihrem Arbeitsplatz verhaftet und am 1. März 1943 mit dem 31. Transport in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Kurz darauf folgte auch ihre Nachbarin Frieda Herzfeld denselben Weg. Ingeborg Jacob fand ihren Tod im Konzentrationslager Auschwitz, noch bevor sie ihr 18. Lebensjahr erreichte.
Ein besonderer Aspekt ihres Lebens ist die familiäre Verstrickung in die NS-Verfolgung sowie die Fluchtgeschichte ihres Halbbruders Heinrich, der über einen Kindertransport entkommen konnte und später in Norwegen Zuflucht fand. Warum Ingeborg und ihr Bruder Hans nicht ebenfalls die Möglichkeit zur Emigration boten, bleibt unklar – möglicherweise lag dies an Altersgründen oder anderen Umständen, die bis heute nicht abschließend geklärt sind. Heinrich überlebte den Holocaust und lebt heute noch.
Ihr Gedenkstein wurde im Dezember 2014 in der Sentastraße 3 im Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg verlegt. Er gehört zur Initiative „Stolpersteine“, die ehrenamtlich von der Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin betreut wird. Die Biografie von Ingeborg Jacob ist ein Beispiel für die vielen jungen Menschen, die unter den Bedingungen des Nationalsozialismus ihr Leben verloren, ohne dass ihre Geschichte jemals vollständig rekonstruiert werden konnte. Ihre Erinnerung wird durch diesen Stolperstein wachgehalten – ein Mahnmal gegen das Vergessen.