Denkmal/Gedenkstätte

Kilometerstein 147 des alten Lippe-Treidelpfades

46282 Dorsten

Highlights

  • Brotmanns Höhle in Dorsten ist benannt nach Werner Kempken, der dort von 1865 bis 1875 lebte.
  • Er versteckte sich vor der Militärstrafe und wurde später mit Hilfe der Franziskaner in die USA geschmuggelt.
  • Heute erinnert die Höhle im Sandsteinbereich seitlich der B58 an den Deserteur und Auswanderer.

Tipps

  • Die ehemalige Sandsteinhöhle ist heute durch ein Geländer gesichert, um die Natur vor Mountainbikern und unbefugtem Betreten zu schützen.
  • Die Grube entstand durch Sandsteinabbau und wurde später durch Gletscherbewegungen freigelegt; ursprünglich war sie deutlich größer und diente über Jahre hinweg als Versteck.

Eigenschaften

Bildung Kulturell Ganzjährig

Über Kilometerstein 147 des alten Lippe-Treidelpfades

Der Kilometerstein 147 des alten Lippe-Treidelpfades befindet sich im nordrhein-westfälischen Dorsten und markiert einen historischen Punkt entlang des ehemaligen Treidelpfades entlang der Lippe. Diese Wege dienten einst dazu, um Schiffe bei der Überwindung von Stromschnellen oder bei schlechtem Wasserstand manuell zu ziehen. Der Stein ist ein Zeugnis der regionalen Verkehrs- und Wirtschaftsgeschichte und verdeutlicht die frühere Bedeutung der Lippe als wichtige Wasserstraße im Kreis Recklinghausen.

In unmittelbarer Nähe des Kilometersteins liegt die sogenannte „Brotmanns Höhle“, eine ehemalige Sandsteingrube, die im Volksmund aufgrund ihrer Geschichte als Höhle bezeichnet wird. Diese entstand durch den Abbau von Sandstein, der sich hier auf Millionen Jahre altem Meersand gebildet hatte und durch die Eiszeit freigelegt wurde. Die Grube wurde im Laufe der Zeit durch natürliche Prozesse und menschliche Nutzung vertieft. Heute ist das Gelände mit einem Geländer gesichert, um die Natur vor motorisierten Sportaktivitäten zu schützen. Wanderer können die Höhle von oben gut einsehen.

Die Bezeichnung „Brotmanns Höhle“ leitet sich von Werner Kempken ab, einem Deserteur, der sich von Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 1870er Jahre in dieser Gegend verbarg. Kempken, ursprünglich Bauernsohn aus Emmelkamp, einem Stadtteil von Dorsten, floh mehrfach vor dem Militärdienst. Nach einer erneuten Flucht im Jahr vor der Front versteckte er sich in dieser Höhle. Über Jahre hielt er sich dort zurückgezogen im Wald versteckt. Sein Vater versorgte ihn mit Lebensmitteln und Werkzeug, mit dem er sich eine Behausung schuf. Kempken verließ sein Versteck gelegentlich, um auf umliegenden Höfen Heidekraut und Besen zu verkaufen und Brot zu erbitten – wodurch er den Namen „Brotmann“ erhielt.

Nach zehn Jahren Einsamkeit gelang es Kempken mit Hilfe seiner Familie und der Dorstener Franziskaner, 1875 unter falschem Namen in die USA auszuwandern. Dort baute er sich ein neues Leben auf und erbte schließlich eine Farm. Die Höhle im Steinbruch nahe des Freudenbergs erinnert noch heute an sein abenteuerliches Leben als Deserteur, Waldbewohner und späterer Auswanderer. Mehrere historische Quellen und Publikationen beschäftigen sich mit seiner Geschichte, die in Teilen unterschiedlich überliefert ist, aber dennoch ein fester Bestandteil der regionalen Erinnerungskultur bleibt.

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