Zechenhaus Herberholz
Highlights
- Das Zechenhaus Herberholz in Witten zeigt bergbauliche Relikte und Stollen wie ‚Freundschaft‘, die ehrenamtlich betreut werden und Einblicke in den Steinkohlenbergbau geben.
- Nach Hochwasserschäden 2021 wird das Zechenhaus mit Ausstellung und Überfahrt im Muttental schrittweise wiederhergestellt, um Besucher wieder vollständig zugänglich zu machen.
Tipps
- Der barrierefreie Zugang zum Zechenhaus Herberholz ermöglicht einen ungehinderten Besuch für alle Interessierten.
- Im Freigelände werden historische Relikte des Steinkohlenbergbaus ausgestellt, die die technische Entwicklung des Bergbaus veranschaulichen.
- Die Ausstellung im Zelt zeigt historische Fotos und Kurzfilme aus Hombruch, die das industrielle Leben zwischen 1930 und 1980 dokumentieren.
Eigenschaften
Zechenhaus Herberholz Witten – Kulturdenkmal erkunden
Das Zechenhaus Herberholz im Wittener Muttental ist ein bedeutendes Zeugnis der regionalen Bergbaugeschichte und ein wichtiger Bestandteil der kulturellen Identität der Stadt. Betrieben vom gleichnamigen Förderverein, bietet die Anlage eine einzigartige Sammlung bergbaulicher Relikte, die die Tradition des Steinkohlenbergbaus in der Region lebendig hält. Besonders hervorzuheben ist die Freilichtausstellung mit historischen Maschinen, Werkzeugen und Stollenausrüstungen, die Einblicke in die Arbeitswelt der Knappen gewähren. Dazu gehören unter anderem originalgetreue Ausstellungsstücke wie Froschlampen, Schlegel und Eisen sowie Nachbildungen von Stollenportalen, die an die jahrhundertelange Grubentätigkeit erinnern.
Ein zentraler Bestandteil des Geländes ist die thematische Auseinandersetzung mit den ökologischen Auswirkungen des Bergbaus. So wird etwa die Verbindung zwischen dem Plessbach und dem Muttenbach sowie deren Wasserqualität durch historische Grubenwassereinleitungen untersucht. Besonders in Trockenphasen tragen Stollen wie der „Freundschaft“ dazu bei, die Wasserführung lokaler Bäche zu stabilisieren, was die komplexe Wechselwirkung zwischen Industriegeschichte und Natur verdeutlicht. Die Ausstellung im Freien zeigt zudem geologische Besonderheiten wie Siegelbäume und Farnreste, die auf die urzeitlichen Sedimentschichten des Ruhrgebiets hinweisen und bis zu 300 Millionen Jahre alte Erdgeschichte sichtbar machen.
Das Zechenhaus selbst ist ein historisches Gebäude, das durch das Hochwasser im Sommer 2021 schwer beschädigt wurde. Seitdem laufen umfangreiche Sanierungsarbeiten, darunter die Wiederherstellung der Überfahrt über den Muttenbach und die Restaurierung von Möbeln sowie Ausstellungsstücken. Sobald diese Maßnahmen abgeschlossen sind, wird das Haus wieder vollständig für Besucher zugänglich sein – inklusive einer Bewirtung mit regionalen Spezialitäten wie Bratwurst mit Kartoffelbrei und Sauerkraut, wie sie traditionell von Bergleuten verzehrt wurde. Das Angebot umfasst zudem Führungen und Exkursionen, etwa in das Besucherbergwerk Graf Wittekind in Dortmund-Syburg, das ebenfalls vom Verein betreut wird.
Der Förderverein engagiert sich darüber hinaus für die Erhaltung weiterer bergbaulicher Stätten in der Region, darunter der Schleifmühle-Stollen und der Scherenberger Erbstollen. Durch ehrenamtliche Arbeit werden historische Stollen saniert, dokumentiert und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Parallel dazu fördert der Verein wissenschaftliche Projekte, etwa Masterarbeiten zur Grubenwassersituation oder geologischen Untersuchungen, die die langfristigen Folgen des Bergbaus analysieren. So verbindet das Zechenhaus Herberholz praktische Denkmalpflege mit bildender Aufklärung und macht die Spuren des Steinkohlenbergbaus im Wittener Raum erlebbar.
Besucher können sich nicht nur über die technische und soziale Geschichte des Bergbaus informieren, sondern auch an geführten Rundgängen teilnehmen, die die Verbindung zwischen Industriekultur und heutiger Landschaft aufzeigen. Besonders im Sommer lädt das Gelände mit seinem gemütlichen Ambiente zum Verweilen ein – zwischen historischen Exponaten, informativen Ausstellungen und der Möglichkeit, die Region aus einer neuen Perspektive zu erkunden. Das Zechenhaus Herberholz ist damit nicht nur ein Museum, sondern ein lebendiges Archiv der regionalen Identität, das Geschichte greifbar macht.